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    Deterministik in der Industrie

    Warum sie entscheidend ist und wie DECT NR+ die Grundlage schafft
  • Newsblog
  • Deterministik in der Industrie
  • 26. Mai 2026 durch
    Deterministik in der Industrie
    STRATUM 9 GmbH


    In modernen Industrieumgebungen verschiebt sich der Fokus zunehmend von klassischer Automatisierung hin zu hochvernetzten, flexiblen und mobilen Systemen. Maschinen, Sensoren, fahrerlose Transportsysteme und Steuerungen müssen in Echtzeit miteinander kommunizieren – zuverlässig, synchron und vor allem vorhersehbar.

    Genau an diesem Punkt wird ein Begriff zentral: deterministische Kommunikation.


    Was bedeutet deterministisch?

    Deterministische Kommunikation beschreibt die Fähigkeit eines Netzwerks, Daten innerhalb einer definierten, garantierten Zeit zu übertragen. Es geht also nicht nur darum, dass Daten „schnell“ ankommen, sondern dass sie immer zur richtigen Zeit ankommen:

    • Eine Steuerung weiß exakt, wann ein Sensorwert eintrifft
    • Ein Aktor reagiert innerhalb eines fest definierten Zeitfensters
    • Die maximale Latenz ist bekannt und überschreitet nie einen Grenzwert

    Der entscheidende Unterschied zu klassischen IT-Netzen liegt nicht in der durchschnittlichen Performance, sondern in der Vorhersagbarkeit. Für industrielle Prozesse ist diese Vorhersagbarkeit essenziell, da sie direkt in die Stabilität von Regelkreisen und die Qualität von Produktionsprozessen eingeht.

    Deterministic Communication

    Industrielle Prozesse brauchen planbare Kommunikation mit garantierten Übertragungen innerhalb definierter Zeitfenster.


    Warum normales Wi-Fi oft nicht ausreicht

    Viele industrielle Anwendungen setzen heute noch auf Wi-Fi, weil es weit verbreitet, kostengünstig und einfach zu integrieren ist. Technisch basiert Wi-Fi jedoch auf einem sogenannten Random-Access-Verfahren und verwendet Listen-Before-Talk (LBT).

    Das Prinzip ist einfach:

    Jedes Gerät entscheidet selbst, wann es senden möchte. Bevor es sendet, prüft es, ob das Medium frei ist. Wenn mehrere Geräte gleichzeitig senden wollen, kommt es zu Kollisionen, die durch zufällige Wartezeiten (Backoff) aufgelöst werden.

    Stellen Sie sich eine höfliche, aber unmoderierte Gruppendiskussion vor. Jeder hört zu, bevor er spricht, aber wenn zwei Personen gleichzeitig anfangen, halten beide inne und verharren einen Moment lang in einer unangenehmen Stille, bevor einer es erneut versucht. In einer kleinen Gruppe funktioniert das. In einer großen Menschenmenge führt dies jedoch zu ständigen Unterbrechungen und sehr wenig effektiver Kommunikation.

    Listen-Before-Talk (LBT) in WiFi/WLAN

    Random Access mit Listen-Before-Talk: Geräte konkurrieren um die Übertragungszeit


    Dieses Verfahren funktioniert gut für typische IT-Anwendungen wie Webzugriffe, Video-Streaming oder Cloud-Kommunikation.

    Für industrielle Anwendungen bringt es jedoch strukturelle Nachteile mit sich:

    • Unvorhersehbare Latenz: 
    • Die Zeit, bis ein Gerät senden kann, hängt von der aktuellen Netzlast ab und variiert stark.
    • Jitter: 
    • Selbst wenn die durchschnittliche Latenz niedrig ist, schwankt sie stark – ein Problem für synchronisierte Prozesse.
    • Skalierungsprobleme: 
    • Mit zunehmender Anzahl an Geräten steigt die Wahrscheinlichkeit für Kollisionen und Verzögerungen.
    • Keine harte Echtzeitfähigkeit: 
    • Es gibt keine Garantie, dass eine Nachricht innerhalb einer bestimmten Zeit übertragen wird.

    Wi-Fi ist ein leistungsfähiges, aber nicht deterministisches System. Für viele industrielle Anwendungen ist das ein grundlegendes Ausschlusskriterium.


    Scheduled Access vs. Random Access

    Der zentrale Unterschied zwischen klassischen Funktechnologien und deterministischen Systemen liegt im Zugriff auf das Übertragungsmedium.

    Random Access – das Prinzip hinter Wi-Fi

    Beim Random Access konkurrieren alle Teilnehmer um den Zugriff auf das Medium. Jeder Knoten handelt eigenständig und reagiert dynamisch auf die aktuelle Situation im Netzwerk. Das macht das System flexibel und robust gegenüber wechselndem Traffic, hat aber einen entscheidenden Nachteil: Das Verhalten ist nicht planbar. Je mehr Teilnehmer aktiv sind, desto schwieriger wird es, Vorhersagen über Latenz und Zuverlässigkeit zu treffen.

    Scheduled Access – der deterministische Ansatz

    Deterministische Funktechnologien wie DECT NR+ setzen u.a. auf ein anderes Prinzip. Hier wird der Zugriff auf das Medium zentral organisiert. Die Zeit wird in feste Slots unterteilt, die einzelnen Geräten zugewiesen werden. Jedes Gerät weiß genau, wann es senden darf, wie lange es senden darf und wann der nächste Slot kommt. Dadurch entsteht ein vollständig kontrolliertes System:

    • Es gibt keine Kollisionen
    • Die Latenz ist konstant und berechenbar
    • Die Kommunikation folgt einem festen Zeitplan

    Im Gegensatz zu Random Access wird der Zugriff nicht ausgehandelt, sondern vorgegeben.

    Random Access vs. Scheduled Access

    Random Access vs. Scheduled Access: die unterschiedlichen Zugriffsweisen auf das Übertragungsmedium


    Warum deterministische Kommunikation in der Industrie unverzichtbar ist

    Die Notwendigkeit deterministischer Kommunikation ergibt sich direkt aus den Anforderungen moderner industrieller Anwendungen.

    • Echtzeitsteuerung und Synchronisation

    In vielen Systemen – etwa in der Robotik oder bei hochdynamischen Förderanlagen – laufen Prozesse in festen Zyklen. Sensoren liefern Daten, Steuerungen berechnen Reaktionen und Aktoren setzen diese um. Wenn die Kommunikation nicht exakt in diesen Zyklus passt, entstehen ungenaue Bewegungen, Qualitätsprobleme, instabile Regelkreise etc.

    Deterministische Kommunikation stellt sicher, dass alle Komponenten zeitlich synchron arbeiten.

    • Mobile Systeme und drahtlose Automatisierung

    Mit dem zunehmenden Einsatz von AGVs und AMRs wird drahtlose Kommunikation zum kritischen Bestandteil der Steuerung. Hier reicht es nicht aus, „meistens“ eine gute Verbindung zu haben. Stattdessen braucht es stabile, kontinuierliche Kommunikation, vorhersehbare Reaktionszeiten und zuverlässige Übergaben zwischen Funkzellen (Handover).

    Nicht-deterministische Netze führen in solchen Szenarien zu Verzögerungen, Stop-and-Go-Verhalten oder im schlimmsten Fall zu sicherheitskritischen Situationen.

    • Funktionale Sicherheit

    Sicherheitsprotokolle wie Profisafe stellen hohe Anforderungen an die Kommunikation. Neben Integrität und Verfügbarkeit spielt auch die zeitliche Korrektheit eine zentrale Rolle. Ein System kann nur dann sicher arbeiten, wenn garantiert ist, dass Nachrichten innerhalb definierter Zeitfenster übertragen werden und Ausfälle eindeutig erkannt werden können.

    Deterministische Kommunikation schafft die notwendige Grundlage, um solche Anforderungen zuverlässig zu erfüllen.

    • Skalierbarkeit und Planbarkeit

    Ein oft unterschätzter Vorteil deterministischer Systeme ist ihre Planbarkeit. Während Random-Access-Netze mit steigender Last unvorhersehbar werden, bleibt ein deterministisches System stabil. Neue Teilnehmer können gezielt eingeplant werden, ohne das Verhalten des Gesamtsystems zu destabilisieren. Das ist insbesondere für große Produktionsanlagen, modulare Fabriken und IIoT-Umgebungen entscheidend.


    DECT NR+ als Grundlage für deterministische Funkkommunikation

    Mit DECT NR+ steht erstmals eine Funktechnologie zur Verfügung, die konsequent auf deterministische industrielle Anforderungen ausgelegt ist.

    Durch die Kombination aus Scheduled Access (TDMA), zentraler Ressourcenverwaltung, Seamless Handover und hoher Zuverlässigkeit entsteht ein drahtloses System, das sich beinahe wie ein kabelgebundenes Echtzeitnetz verhält – jedoch mit der Flexibilität von Funk.

    Für Unternehmen bedeutet das nicht nur mehr Effizienz, sondern auch die Möglichkeit, Produktionssysteme grundlegend neu zu denken – flexibler, mobiler und gleichzeitig so zuverlässig wie nie zuvor.


    # DECT NR+ Deterministik Industrial Wireless
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